Der Ökologie-Check im NLP
Kurzdefinition
Der Ökologie-Check ist eine Prüfung, bevor Sie ein Ziel verfolgen oder eine Veränderung umsetzen. Sie fragen, welche Folgen sie für Ihre anderen Ziele, Ihre Gesundheit und die Menschen um Sie herum hat und was Sie dafür aufgeben.
Ausführlich erklärt
Den Begriff Ökologie hat NLP von Gregory Bateson übernommen, dessen Aufsatzsammlung Steps to an Ecology of Mind 1972 erschien. Bateson betrachtete Familien, Organisationen und das Denken eines Menschen als Systeme, in denen eine Veränderung an einer Stelle Folgen an anderen Stellen hat. Im NLP wurde daraus eine praktische Regel. Eine Veränderung ist erst dann gut, wenn sie auch zum restlichen Leben passt.
Der Check steht meist am Ende der Zielarbeit, als letztes Kriterium der wohlgeformten Ziele. Typische Fragen sind:
- Was verändert sich für die Menschen, mit denen Sie leben und arbeiten?
- Worauf verzichten Sie, wenn Sie das Ziel erreichen?
- Was hat Ihnen das bisherige Verhalten gebracht, und wie bekommen Sie das künftig?
- Gibt es Situationen, in denen Sie die Veränderung nicht wollen?
Die dritte Frage zielt auf den sogenannten sekundären Gewinn. Ein Verhalten, das man ändern will, erfüllt oft einen Zweck. Wer jede Anfrage annimmt, ärgert sich über den vollen Kalender, wird dafür aber gebraucht und muss niemanden enttäuschen. Fällt dieser Gewinn ersatzlos weg, kehrt das alte Verhalten oft zurück.
Manche Ausbildungen ergänzen vier Fragen, die nach Descartes benannt sind. Was passiert, wenn Sie es tun? Was passiert, wenn Sie es nicht tun? Was passiert nicht, wenn Sie es tun? Was passiert nicht, wenn Sie es nicht tun? Die letzten beiden klingen verdreht. Gerade deshalb bringen sie Antworten hervor, an die man sonst nicht denkt.
Achten Sie beim Check auch auf Zögern. Wird bei einem Ziel die Stimme leiser oder die Begeisterung flacher, lohnt eine Nachfrage. Woran Sie solche Veränderungen bei einem bestimmten Menschen erkennen, beschreibt der Eintrag zum Kalibrieren.
Beispiel: das Angebot, ein Team zu leiten
Einer Softwareentwicklerin wird die Leitung ihres Teams angeboten. Sie will zusagen. Sie bekäme mehr Gestaltungsspielraum und mehr Gehalt, und sie hat seit Langem Ideen, wie das Team besser arbeiten könnte.
Vor der Zusage geht sie die Fragen durch. Worauf verzichtet sie? Auf einen großen Teil der Programmierarbeit, die ihr bisher am meisten Freude macht. Was ändert sich für andere? Zwei Kollegen, mit denen sie befreundet ist, werden ihr künftig berichten. Und wo will sie die Veränderung nicht? Zur Rolle gehört eine Rufbereitschaft am Abend, und ihre Abende gehören bisher dem Sport.
Absagen muss sie deshalb nicht. Sie verhandelt vor der Zusage, dass sie einen festen Anteil an technischer Arbeit behält, und spricht mit den beiden Kollegen, bevor die Entscheidung offiziell wird. Die Rufbereitschaft nimmt sie als offene Frage mit in das erste Gespräch mit ihrer Bereichsleitung.
Ohne den Check hätte sie vermutlich genauso entschieden, nur ohne zu wissen, was es sie kostet. Das Gespräch über den Verzicht hätte sie dann erst Monate später geführt, als die Unzufriedenheit schon da war.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Studien zum Ökologie-Check als eigenem Format sind mir nicht bekannt. Die Fragen bringen gesunden Menschenverstand in eine feste Reihenfolge. Das spricht nicht gegen sie. Gerade bei Entscheidungen, auf die man sich freut, fallen die Kosten leicht unter den Tisch, und eine feste Liste hilft, sie trotzdem anzusehen.
Grenzen hat die Methode trotzdem:
- Der Check ersetzt kein Gespräch. Was eine Veränderung für Ihr Team oder Ihre Familie bedeutet, können Sie sich vorstellen. Wissen können Sie es erst, wenn Sie fragen. Ihre Annahme über andere bleibt eine Vermutung, wie bei der zweiten Wahrnehmungsposition.
- Nicht alle Folgen sind vorhersehbar. Der Check prüft, was Sie heute wissen. Ein Zwischenstand nach einigen Wochen fängt auf, was sich erst unterwegs zeigt.
- Bedenken sind kein Veto. In manchen Seminaren gilt jedes Zögern als Einwand eines inneren Anteils, der erst überzeugt werden muss. So wird der Check zur Endlosschleife. Fast jede Veränderung hat einen Preis. Entscheidend ist, ob Sie ihn zahlen wollen.
Wie Sie den Preis eines Ziels benennen und in die Planung aufnehmen, beschreibe ich im Beitrag Ziele, die tragen.
Verwandte Begriffe
- Wohlgeformte Ziele
Die übrigen Kriterien, die ein Ziel vor dem Ökologie-Check erfüllen sollte.
- Wahrnehmungspositionen
Die Folgen einer Entscheidung aus der Sicht der Betroffenen durchgehen.
- Logische Ebenen
Prüfen, ob eine Veränderung nur das Verhalten berührt oder auch Werte und Identität.
- Ziele, die tragen
Warum ein Ziel ohne benannten Verzicht beim ersten Terminkonflikt verliert.