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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Kongruenz im NLP

Kurzdefinition

Kongruent ist ein Mensch im NLP, wenn seine Worte, seine Stimme und seine Körpersprache dasselbe ausdrücken und er hinter dem steht, was er sagt. Widersprechen sich die Signale, spricht NLP von Inkongruenz.

Ausführlich erklärt

Der Begriff ist älter als NLP. Die Gesprächspsychotherapie und die Kommunikationspsychologie verwenden ihn ebenfalls, jeweils mit eigenem Schwerpunkt. Die Familientherapeutin Virginia Satir, deren Arbeit Bandler und Grinder in den 1970er-Jahren untersuchten, beschrieb eine kongruente Haltung als Gegenbild zu Mustern wie Beschwichtigen oder Anklagen.

Kongruente und inkongruente Nachricht

In der Kommunikation ist eine Nachricht kongruent, wenn Worte, Stimme und Körpersprache dasselbe sagen. Widersprechen sich die Signale, ist sie inkongruent. Friedemann Schulz von Thun beschreibt diese Unterscheidung in Miteinander reden 1 aus dem Jahr 1981, im Zusammenhang mit seinem Vier-Seiten-Modell.

  • Kongruent. Eine Kollegin sagt am Telefon "Gern, das schicke ich Ihnen bis Freitag", klingt dabei zugewandt und trägt sich den Termin gleich in den Kalender ein. Alles an der Nachricht zeigt in dieselbe Richtung.
  • Inkongruent. Ein Freund sagt "Nein, ich bin nicht sauer", zieht die Tür hinter sich zu und antwortet den Rest des Abends einsilbig. Die Worte sagen das eine, Stimme und Verhalten das andere.

Bei einer inkongruenten Nachricht muss der Empfänger entscheiden, welchem Signal er glaubt. Fragt er nicht nach, entscheidet er nach seiner eigenen Deutung, und die kann falsch liegen.

Äußere und innere Kongruenz

Im NLP hat der Begriff zwei Seiten. Nach außen geht es darum, ob Ihre Signale zusammenpassen. Wer "Das ist eine gute Nachricht" mit flacher Stimme und gesenktem Blick sagt, sendet zwei Botschaften, und das Gegenüber merkt es meist. Nach innen geht es darum, ob Sie mit einer Entscheidung im Reinen sind oder ob ein Teil von Ihnen dagegenhält. Mit diesem Bild arbeitet die Teilearbeit.

Manche Ausbildungen unterscheiden zwei Formen der Inkongruenz. Bei der gleichzeitigen widersprechen sich die Signale im selben Moment, etwa bei einem Ja, zu dem jemand leicht den Kopf schüttelt. Bei der aufeinanderfolgenden wechselt ein Mensch zwischen zwei Haltungen hin und her, heute entschlossen und morgen voller Zweifel.

Nutzen lässt sich das an zwei Stellen. Bei anderen ist eine Inkongruenz ein Anlass zum Nachfragen. Woran Sie solche Abweichungen bei einer bestimmten Person bemerken, beschreibt der Eintrag zum Kalibrieren. Bei sich selbst ist sie ein Hinweis, dass eine Entscheidung noch nicht zu Ende gedacht ist. Dann lohnt ein Ökologie-Check, bevor Sie die Entscheidung nach außen vertreten.

Kongruenz in Therapie und Pädagogik

Wer nach Kongruenz in der Therapie sucht, stößt auf Carl Rogers. In seinem Aufsatz von 1957 über die notwendigen und hinreichenden Bedingungen therapeutischer Persönlichkeitsveränderung ist Kongruenz eine Bedingung auf der Seite des Therapeuten. Der Therapeut spielt dem Klienten nichts vor und ist in der Beziehung echt. Im Deutschen heißt diese Haltung deshalb auch Echtheit. Reinhard und Anne-Marie Tausch übertrugen Rogers' Haltungen in ihrer Erziehungspsychologie auf die Schule. Echt ist dort eine Lehrkraft, deren Worte und Handeln dem entsprechen, was sie denkt und fühlt. In Therapie und Pädagogik beschreibt Kongruenz also die Haltung in einer helfenden Beziehung. Im NLP steht sie vor allem für die Übereinstimmung von Signalen, die sich beobachten lassen, und für die innere Stimmigkeit bei einer Entscheidung.

Beispiel: eine Entscheidung von oben verkünden

Die Geschäftsführung hat entschieden, dass alle Teams wieder drei Tage pro Woche ins Büro kommen. Ein Teamleiter hält das für falsch. Verkünden soll er es seinem Team trotzdem.

In der ersten Fassung liest er die Mail der Geschäftsführung vor und ergänzt, das sei bestimmt gut für den Austausch. Er spricht schneller als sonst und schaut dabei auf seine Notizen. Das Team hört zwei Botschaften. Die eine sagt, die Regel gilt. Die andere sagt, er glaubt selbst nicht daran. In der anschließenden Fragerunde geht es vor allem darum, wie man die Regel umgehen kann.

Kongruent wäre eine Fassung, die seine tatsächliche Lage beschreibt: "Ich hätte anders entschieden und habe das auch gesagt. Die Entscheidung steht trotzdem, und ich setze sie um. Klären wir, welche drei Tage für uns am besten passen." Jeder dieser Sätze stimmt, und deshalb müssen Stimme und Haltung nichts zurücknehmen.

Begeisterung verlangt Kongruenz also nicht. Es reicht, nichts zu sagen, was der eigene Tonfall gleich wieder dementiert.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Dass Menschen widersprüchliche Signale bemerken, ist unstrittig. Wie sie diese deuten, ist eine andere Frage. Die oft zitierte Regel, nur sieben Prozent einer Botschaft kämen über die Worte, geht auf Albert Mehrabian zurück. Er selbst schränkt sie ein. Auf seiner Website zum Buch Silent Messages von 1981 schreibt er, die Zahlen stammten aus Versuchen, in denen Menschen Gefühle und Einstellungen mitteilten, also ob sie jemanden mögen oder nicht. Spricht jemand nicht über seine Gefühle oder Einstellungen, gelten sie nach seinen Worten nicht.

Für die Praxis folgt daraus zweierlei:

  • Inkongruenz zeigt einen Widerspruch, aber nicht seinen Grund. Wer zögernd zustimmt, kann müde sein oder in der Sache unsicher. Menschen erkennen Lügen am Verhalten kaum besser als durch Raten, das beschreibt der Eintrag zum Kalibrieren. Ein Zögern ist ein Anlass für eine Frage und kein Beweis.
  • Kongruenz lässt sich nicht einstudieren. Wer Körpersprache trainiert, damit eine Aussage überzeugender wirkt, setzt am falschen Ende an. Wer hinter seiner Aussage steht, braucht diese Übung nicht. Wer es nicht tut, ändert besser die Aussage als die Haltung.

Studien, die Kongruenz als NLP-Modell prüfen, sind mir nicht bekannt. Was die Forschung zu NLP insgesamt hergibt, steht im Beitrag zur Kritik an NLP und zur Studienlage.

Verwandte Begriffe

  • Kalibrieren

    Wie Sie Abweichungen bei einem bestimmten Menschen bemerken, ohne sie zu deuten.

  • Ökologie-Check

    Fragen für den Moment, in dem Sie bei einer eigenen Entscheidung zögern.

  • Pacing und Leading

    Warum Anschließen nur mit Aussagen funktioniert, die für den anderen stimmen.

  • Rapport

    Wie Vertrauen im Gespräch entsteht, ohne Spiegeltechnik.

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