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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Das Milton-Modell im NLP

Kurzdefinition

Das Milton-Modell ist eine Sammlung von Sprachmustern, die bewusst allgemein und mehrdeutig bleiben, damit Zuhörende sie mit eigener Bedeutung füllen. Richard Bandler und John Grinder haben es aus der Sprache des Psychiaters und Hypnotherapeuten Milton H. Erickson abgeleitet.

Ausführlich erklärt

Milton H. Erickson (1901 bis 1980) war ein amerikanischer Psychiater, der Hypnose in der Psychotherapie einsetzte. Er gab selten direkte Anweisungen. Er sprach so offen, dass seine Klienten ihre eigenen Erfahrungen in seine Worte legten. Bandler und Grinder studierten seine Arbeitsweise und veröffentlichten 1975 den ersten Band von Patterns of the Hypnotic Techniques of Milton H. Erickson, M.D.

Das Milton-Modell ist das Gegenstück zum Meta-Modell. Das Meta-Modell fragt dort nach, wo ein Satz etwas auslässt, verallgemeinert oder verzerrt. Das Milton-Modell lässt genau diese Lücken mit Absicht offen. Zu den bekanntesten Mustern gehören:

  • Unspezifische Verben und Nominalisierungen. "Sie haben in den letzten Monaten einiges gelernt." Was genau, bleibt dem Zuhörer überlassen.
  • Präsuppositionen. "Bevor wir entscheiden, welche Variante wir umsetzen" setzt voraus, dass eine umgesetzt wird.
  • Gedankenlesen. "Vielleicht fragen Sie sich gerade, wie das in Ihrem Bereich aussehen würde."
  • Eingebettete Aufforderungen. Eine Anweisung steckt in einem längeren Satz und wird durch Betonung oder eine Pause hervorgehoben.

In der Hypnose soll diese Sprache Widerstand umgehen und innere Suchprozesse anstoßen. Außerhalb davon taucht sie in Moderationen und Reden auf, leider auch in Verkaufsgesprächen.

Beispiel: die Eröffnung eines Strategieworkshops

Eine Geschäftsführerin eröffnet einen Workshop nach einem Jahr mit Umsatzrückgang und einer Umstrukturierung. Sie könnte mit einer Analyse beginnen. Sie entscheidet sich für einen offenen Einstieg: "Jeder hier hat das letzte Jahr auf seine Weise erlebt. Manches davon möchten Sie vielleicht hinter sich lassen, anderes hat sich bewährt. Heute geht es darum, was davon wir mitnehmen."

Darin stecken mehrere Milton-Muster. "Auf seine Weise erlebt" ist unspezifisch, jeder setzt seine eigene Erfahrung ein. "Vielleicht" lässt Raum zum Widersprechen. "Was davon wir mitnehmen" setzt voraus, dass es etwas gibt, das sich mitzunehmen lohnt.

Für eine Eröffnung ist das legitim. Die Teilnehmenden kommen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen, und ein präziser Satz würde nur einen Teil von ihnen erreichen. Spätestens bei Zielen und Zuständigkeiten muss die Sprache aber wieder konkret werden. Dort helfen die Klärungsfragen des Meta-Modells an Beispielsätzen, damit aus der offenen Einladung überprüfbare Vereinbarungen werden.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Ericksons Wirkung als Therapeut lässt sich nicht auf eine Liste von Satzmustern zurückführen. Er war Arzt mit jahrzehntelanger Erfahrung, kannte seine Klienten und arbeitete in einem therapeutischen Rahmen. Wer die Muster aus diesem Zusammenhang löst, übernimmt die Form, aber nicht die Kompetenz. Wie gut sie außerhalb der Hypnose wirken, ist meines Wissens kaum untersucht. Die allgemeine Kritik an der dünnen Studienlage zu NLP gilt hier genauso, nachzulesen im Beitrag zur Kritik an NLP.

Schwerer wiegt die ethische Frage. Präsuppositionen und eingebettete Aufforderungen wirken gerade dann, wenn niemand sie bewusst prüft. In Verkaufsschulungen wird das genutzt, um die Kaufentscheidung vorwegzunehmen, etwa mit "Wann möchten Sie starten?" anstelle von "Möchten Sie starten?". Ich ziehe die Grenze dort, wo ein Muster die eigene Absicht verbergen soll. Eine offene Frage zur Eröffnung lässt dem Gegenüber die Wahl. Eine versteckte Vorannahme, mit der eine Zusage erschlichen werden soll, nimmt sie ihm.

Verbreitet ist auch die Vorstellung, mit dem Milton-Modell ließen sich Menschen im Alltag in Trance versetzen und unbemerkt steuern. Vage Sprache in einem Meeting ist noch keine Hypnose, und wer sie durchschaut, reagiert eher mit Misstrauen.

Verwandte Begriffe

  • Meta-Modell

    Das Gegenstück: Fragen, die vage Aussagen wieder konkret machen.

  • Pacing und Leading

    Die zweite Idee, die Bandler und Grinder aus Ericksons Arbeit übernommen haben.

  • Reframing

    Wie eine andere Rahmung die Bedeutung einer Aussage verschiebt.

  • Chunking

    Die allgemeine Sprache des Milton-Modells ist Chunk Up, das Meta-Modell geht nach unten.

Milton-Modell im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

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