Metaprogramme im NLP
Kurzdefinition
Metaprogramme sind im NLP gewohnte Muster, nach denen ein Mensch Informationen auswählt und sich motiviert. Ein Beispiel ist die Frage, ob jemand eher auf ein Ziel zugeht oder eher von einem Problem wegwill.
Ausführlich erklärt
Das Modell geht auf Leslie Cameron-Bandler aus dem frühen NLP-Umfeld zurück. Nach der üblichen Darstellung suchte sie eine Erklärung dafür, warum dieselbe Technik bei manchen Klienten wirkte und bei anderen nicht. Rodger Bailey machte daraus später das LAB-Profil, ein Fragenset für Beruf und Personalauswahl. Bekannt wurde dieses vor allem durch das Buch Words That Change Minds von Shelle Rose Charvet.
Wie viele Metaprogramme es gibt, unterscheidet sich je nach Schule. Diese Paare tauchen fast überall auf:
- Hin-zu oder Weg-von. Die einen beschreiben, was sie erreichen wollen. Die anderen beschreiben, was sie vermeiden oder loswerden wollen.
- Interne oder externe Referenz. Woher wissen Sie, dass Sie gute Arbeit gemacht haben? Die einen wissen es selbst, die anderen brauchen Rückmeldung von außen.
- Optionen oder Prozeduren. Die einen suchen Alternativen und Spielraum. Die anderen wollen den richtigen Ablauf kennen und ihm folgen.
- Allgemein oder spezifisch. Die einen denken in großen Linien, die anderen im Detail. Das entspricht den Ebenen beim Chunking.
- Gleichheit oder Unterschied. Beim Vergleich achten die einen darauf, was gleich geblieben ist, die anderen darauf, was sich verändert hat.
Erkennen lassen sich die Muster an der Sprache. Fragen Sie jemanden, was ihm an seiner Arbeit wichtig ist, und hören Sie auf die Richtung der Antwort. "Ich will Projekte voranbringen" klingt anders als "Ich will nicht ständig Feuer löschen". Ein Befund über den Menschen ist das nicht. Es ist ein Hinweis, wie Sie Ihr Anliegen formulieren, damit es bei ihm ankommt.
Beispiel: eine Umstellung, zwei Begründungen
Ein Entwicklungsleiter will das Team auf automatisierte Tests umstellen. In Einzelgesprächen mit zwei erfahrenen Leuten stößt er auf unterschiedliche Bedenken.
Die erste Entwicklerin fragt, was das Team davon hat. Er beschreibt ihr, dass Releases planbarer werden und mehr Zeit für neue Funktionen bleibt. Damit kann sie arbeiten. Ihr Kollege hört dieselbe Begründung und bleibt skeptisch. Auf die Frage, was ihm an seiner Arbeit wichtig sei, sagt er, er wolle nachts nicht mehr wegen eines kaputten Deployments angerufen werden. Für ihn formuliert der Leiter das Anliegen um. Die Tests fangen genau die Fehler ab, die heute in der Rufbereitschaft landen.
Die Umstellung bleibt dieselbe, und beide Begründungen stimmen. Einen Test hat der Leiter nicht gemacht, und niemand wurde einem Typ zugeordnet. Er hat gehört, in welche Richtung jemand denkt, und mit der Begründung angefangen, die für diesen Menschen zählt.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Als Persönlichkeitstest sind Metaprogramme meines Wissens nicht validiert. Studien, die zeigen, dass die NLP-Kategorien über Zeit und Situationen stabil bleiben oder Verhalten im Beruf vorhersagen, kenne ich nicht. Wer Bewerberinnen nach einem LAB-Profil auswählt, stützt sich auf ein Raster, das dafür nicht geprüft ist.
Einzelne Unterscheidungen haben Entsprechungen in der Psychologie. Annäherungs- und Vermeidungsmotivation ist dort ein eigenes Forschungsfeld, unter anderem durch die Arbeiten von Andrew Elliot. Die Begriffe sind dort anders definiert und werden anders gemessen. Eine Bestätigung des NLP-Modells ist das nicht. Wie dünn die Belege für NLP insgesamt sind, steht im Beitrag zur Kritik an NLP und zur Studienlage.
Die größte Gefahr ist dieselbe wie bei den Repräsentationssystemen. Aus einem Gesprächshinweis wird schnell eine Schublade. "Er ist eben ein Weg-von-Typ" erklärt nichts und beendet das Zuhören. Die meisten Menschen wechseln je nach Thema. Wer im Job vor allem Fehler vermeiden will, fängt in der Freizeit vielleicht ein Projekt nach dem anderen an.
Verwandte Begriffe
- Repräsentationssysteme
Ein zweites NLP-Raster, das als Typenlehre nicht gehalten hat.
- Chunking
Wie Sie zwischen großen Linien und Details wechseln.
- Pacing und Leading
An die Sicht des anderen anschließen, bevor Sie eine Richtung vorschlagen.
- Wohlgeformte Ziele
Warum Ziele positiv formuliert werden und was zu Vermeidungszielen bekannt ist.